Dieses Foto fasst sehr gut zusammen, was bei Erwachsenen (!) falsch läuft

Heutzutage auf Facebook etwas viral gehen zu lassen, ist keine besondere Kunst mehr. Es muss nur oberflächlich gesellschaftskritisch sein und einem das Gefühl geben, man stehe über der dummen Mehrheit und mache alles besser, nein, man sei viel besser.

Aktuell geistert dieses Bild durch Facebook. Und auf kaum einer anderen Plattform werden solche eindeutig inszenierten Fotos so häufig geteilt, wie eben bei dem blauen F. Vielleicht liegt es auch an meinter filter bubble, aber auf Twitter lief es mir noch nicht über den Weg. Auch nicht auf anderen Medien. Aber täglich wieder bei Zuckerbergs Meinungsmachern. Warum das so ist, würde jetzt den Rahmen sprengen – mir geht es hier speziell darum, warum dieses Bild einfach nur dumm ist.

Sei kreativ – aber bitte nicht lange?

Dieses Bild, das bevorzugt ja auch von Eltern, die gerade ihr Gesicht ins Smartphone oder in den Laptop halten, geteilt wird, zeigt eine Inszenierung. Auf der einen Seite wurden all die schönen Dinge gezeigt, die Erwachsene zurecht als Teil einer schönen Kindheit bewerten. Malkasten, Bilder, Stofftiere. Alles dabei, was die Kreativität jener Kinder unterstützen soll, die später von den Eltern zu einer Karriere als Bankkaufmann überredet werden, wo sie dann den ganzen Tag auf einen Monitor blicken. An dieser Stelle werden die ersten Aufschreien, sie würden ihre Kinder immer bei dem unterstützen, was deren Berufstraum sein würde. Ich erinnere euch daran, wenn er mit 35 noch als arbeitsloser Schauspieler bei euch auf der Couch wohnt.

Aber lassen wir diese überzeichnete Spekulation. Das Bild zeigt nämlich hier eine Momentaufnahme die stellvertretend für den gesamten Tagesablauf stehen soll. Genau das ist dumm. Denn die Kinder spielen. Sie malen, die schauen Bücher an, sie bauen Matratzenhäuser und springen zwischen Sesseln und Couchpolstern umher, weil der Boden einfach mal aus Lava besteht. Kinder haben von Natur aus einen Spieltrieb. Und das in einem Umfang, mit dem kein Erwachsener umgehen kann, weil die Energie der Eltern sich eben nicht auf das Spielen einschränken lässt. Es müssen Klamotten gewaschen, Zimmer gestaubsaugt, Essen zubereitet und Papierkram erledigt werden. Und dann gibt es noch so etwas Blödes wie Arbeit in den meisten Fällen.

Walking D(e)ad statt Super-Mam

Und genau hier haben wir eines der Probleme: den Eltern fehlt die Energie. Und das ist okay. Eltern sind keine Übermenschen, auch wenn es manche Exemplare gibt, die scheinbar genau das sind. Aber auch hier trügt der Schein oft. Zwei Bilder pro Woche beim Spielen mit den Kids auf Instagram teilen, kann vieles heißen. Von „das sind die einzigen 2 Situationen pro Woche, wo so ein Bild entstehen kann“ bis „ich mache nur zwei Bilder pro Woche, weil ich unsere Spielzeit nicht behindern möchte“. Da wird vieles künstlich geschaffen und/oder interpretiert. Daher liebe ich jene Insta-Mamis, die ganz offen sagen: „Leute, bis wie viele Jahre kann man sein Kind noch in eine Babyklappe pressen?“ Weil man eben manchmal genau dieses Gefühl hat. Manchmal nervt einen sogar die Lieblingsserie, man hat keine Lust zu kochen, der Staubsauger wird heute mal ignoriert, der Chef nervt – ja, und manchmal gehen einen auch die Kinder auf den Zeiger. Das ist auch gut so.

Und bei einigen Leuten passiert dann das, was hier oben als Bild dargestellt wird und den Schwarze Peter zu der ach so verkommenen Jugend schieben soll: sie setzen die Kids vor ein mobiles Endgerät. Und das muss natürlich verteufelt werden. Was auch dumm ist. Als ich klein war, gab es bestimmte Uhrzeiten, wann ich Fernsehen durfte. Das war in der Zeit, in der das Fernsehen schuld daran war, dass Kinder immer schlimmer wurden. Das war kurz, nachdem Comics die Schuld bekamen und knapp vor den Videospielen, die dann das manifestierte Böse waren. Ich denke, ihr merkt, worauf ich hinaus möchte.

Netflix statt Toggolino-Club?

Man findet immer einen Schuldigen – solange man es nicht selbst sein muss. Aktuell leben wir in dem Zeitraum, in dem es Smartphones und Tablets sind. Aber auch meine Kinder haben damit Umgang. Sehr eingeschränkt versteht sich, aber sie sind die digital natives – sie wurden in eine Welt geboren, die bereits zum größten Teil digitalisiert ist und es noch weiter wird. Es gibt keinen logischen Grund, sie davon fernzuhalten, wenn es irgendwann ihr Leben mitdefinieren wird. Meine Kinder erinnern sich auch nur schemenhaft an lineares Fernsehen. Sie wissen, wie man Netflix startet oder Filme aus meiner sehr üppigen BluRay-Sammlung einlegt. Ich vermeide halt, sie mit Werbeblöcken, die durch Kinderserien unterbrochen werden, zuzumüllen. Daher werde ich auch weiterhin jeden Monat für Streamingdienste bezahlen. Und weil „The Haunting of Hill House“ einfach mal der Wahnsinn ist.

Zudem hören sie – wenn ihnen die eigenen Hörspiel-CDs zu langweilig werden – neue Geschichten auf Spotify. Von „Die drei ??? Kids“ bis „Bibi & Tina“ ist da alles vertreten. Und ich werde den Teufel tun, es ihnen zu verbieten, nur weil es zur digitalen Errungenschaft gehört. Dazu bekommen sie zur Not auch mein altes Smartphone, das genau diese Apps für sie bereit hält. Und dennoch meinte sie beim letzten Streit mit Mama, dass sie am liebsten ausziehen will und für immer in der städtischen Bücherei leben möchte. Weil Smartphones und digitale Konsumprodukte einen Teil der heutigen Welt ausmachen. Aber eben nur einen Teil. Denn nebenher fordern sie ihre Bastelsachen ein, malen Bilder für die Weihnachtsdeko (aktuell), spielen mit ihren Ponyhöfen, wollen ins Kinderland, wollen Fahrradfahren und Bücher lesen, bzw. anschauen.

Big Daddys are watching you

(Für diese Zwischenüberschrift sollte ich nen Preis bekommen, wenn man genau darüber nachdenkt) Die mobilen Endgeräte werden ein Teil des Lebens unserer Kinder sein. Genau so, wie sie es für uns sind. Unsere Aufgabe als Elternteil ist es nicht, sie davon wegzuhalten. Unsere Arbeit besteht darin, sie auf die Fallen und Gefahren, die wir selbst erst über Jahre hinweg selbst kennen lernen mussten, aufmerksam zu machen und ihnen den richtigen Umgang mit den Produkten, aber auch mit den Menschen auf der anderen Seite des Internets, beizubringen. Mein Appell ist ganz einfach: lasst die Kinder an die Smartphones – aber lasst sie dabei nicht allein. Selbst wir Erwachsenen sind oft überfordert mit dem, was im Web so passiert. Darum brauchen Kinder jemanden, der sie an die Hand nimmt und mit ihnen diesen Weg geht, bis sie bereit sind, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln und mit diesen richtig umzugehen. Dazu gehört auch, solche Bilder nicht einfach zu teilen, sondern einen Schritt zurück zu gehen und das große Ganze zu betrachten, um dann im Idealfall richtig zu urteilen.



Ohne euch bin ich nichts.
Wenn dir gefällt, was du siehst, dann sage/teile es weiter. Das hilft mir am meisten.

Und damit du nichts mehr verpasst, werde einer meiner gut 1.500 Facebook-Fans unter www.facebook.com/marcolatur (oder auch www.twitter.com/marcolatur).

Weitere Support-Möglichkeiten findest du hier.

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Los geht's
%d Bloggern gefällt das: