Angezockt: Madden NFL 19

Seit dem 10. August steht Madden19 in den Regalen der Supermärkte, Elektrofachhändler und Gamingshops. So früh wie noch nie und nach verdammt langer Zeit auch wieder als PC-Version. Ich habe das Ding die letzten Tage mal angezockt und sage euch, ob sich der Kauf lohnt oder nicht.

Thrombosestrümpfe wären sinnvoll

Fangen wir mal bei der Installation an. Dass die schon verdammt lange dauert, zeigt die Tatsache, dass seit einigen Versionen inzwischen eine Partie (in diesem Fall Eagles – Jaguars) quasi vorinstalliert ist, damit man die Zeit bis zur kompletten Bereitstellung leichter überbrücken kann. Ändert aber nichts an der Dauer. Bis das Spiel installiert ist, kann man sich locker noch drei Staffeln „Game of Thrones“ reinziehen (inklusive des Intros bei jeder Folge). Und sich im Anschluss noch ein Bierchen holen. Von der Tanke. Zu Fuß. In Belgien.

 

Aber irgendwann ist das Ding dann fertig und knallt einem die fantastischen Neuerungen vor den Latz. Die sind so belanglos, dass ich sie während des Ansehens des Präsentationsvideos schon wieder vergessen habe. Okay. Also wieder nur ein teures Upgrade von der 18er-Variante. Die hat zumindest das Handling des Defense- und Specialteams-Gameplays enorm verbessert. Man kann im Franchise-Mode jetzt noch mehr Zeit damit vertrödeln, nicht zu spielen sondern Einstellungen zu ändern (macht das überhaupt irgendwer!?), die Bewegungen der Spieler sind jetzt noch unmerklicher realistischer und irgendwas war bestimmt auch noch.

Das Upgrade: Begnadet oder bescheuert?

Okay, EA, wisst ihr, was mal echt geil wäre? Klingt etwas verrückt, denn es hat was mit dem laufenden Spiel zu tun – ich weiß, total crazy, aber hört es euch mal an: als Offense habe ich Kontrolle über die Uhr und kann meine Pre-Snap-Änderungen vornehmen, wie ich will, bevor ich dann entscheide, wann der Spielzug beginnt. Außer ich stelle mich blöd, dann gibts ne Strafe, klar. In der Defense, bin ich ausgeliefert. Möchte ich, dass meine Verteidigungsformation pitcht, um eine Laufverteidigung anzutäuschen, aber (Schritt 2) auf Passing Awareness eingestellt ist, dann schaffe ich das noch. Gezielt aber ein, zwei Spieler manuell umzustellen, um auf die – von mir vermutete – Angriffsstrategie sinnvoller zu reagieren, kann ich knicken, weil während des Versuchs, den richtigen Spieler auszuwählen, der Ball gesnapt wird. Danke auch. Lasst euch da doch bitte mal etwas einfallen. Wär geil.

 

Und bitte, kriegt es endlich mal auf die Kette, dass man spätestens beim zweiten Mal Spieler wechseln auch denjenigen bekommt, der in das aktive Spielgeschehen auch am effektivsten eingreifen kann. Vor allem beim Laufspiel. Auch das Passspiel ist so eine Sache. Ich als Quarterback (also als der Typ am Controller) weiß, welche Route der Typ läuft. Wenn er nach zehn Yards einen Hook-In macht, dann würde ich ihm gerne nach acht Yards den Ball an seine Endposition werfen, damit der Cornerback nicht so leicht rankommt. Was macht aber mein QB im Jahre 2018 immer noch? Er geht davon aus, dass der Receiver genau so, wie er gerade unterwegs ist, weiter läuft, überwirft dann natürlich und donnert das Ei 20 Yards weiter ins Nirvana. Der QB hat das Play angesagt, verdammt. Er weiß, wo die Receiver den Cut machen müssen! Ich pfeif auf eure noch realistischere Handgelenksbewegungen. Macht das Gameplay realistisch und nicht den Müll, der keinen interessiert. Bitte! Aber gut, kommen wir jetzt mal zu den geilen Sachen: MUT, Longshot 2 und besserem Spieler-Upgrade.

M.U.T. zur Lücke

Das Madden Ultimate Team (MUT) macht mal wieder riesen Spaß, wenn man diesen Fantasy-Mode mag. Wieder gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sein Team und seine Spieler aufzuleveln. Neu ist unter anderem die „Training“-Option. Wie man beim Vorgänger bereits an den die Quicksell-Karten gesehen hat, kann man sich Päckchen freispielen, die nur dazu da sind, um sofort verkauft zu werden und dafür – in diesem Fall jetzt virtuelle Coins – zu erhalten. Damit kann man dann im Store weiter Päckchen oder Items kaufen. Oder eben direkt Spieler aus dem Auktionshaus.

 

Neu sind jetzt die „Training“-Cards. Die verkauft man quasi direkt (auf die selbe Art) um Trainingspunkte gutgeschrieben zu bekommen. Damit kann man seine Spieler dann aufleveln, ohne gefühlt 50.000 Karten des gleichen Typen zu erspielen oder zu kaufen, die dann in in Sets umzutauschen, um diese getauschten dann wieder neu zu tauschen, um dann die getausch… okay, ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Ein deutlicher Gewinn für das Game. Und ich will ja nicht angeben, aber nach einer halben Stunde hatte ich schon Jimmy Garoppolo, Jerry Rice und Brian Urlacher mit einer 85plus-Wertung in meinem 67-OVR-Team. Ja, ihr applaudiert zurecht. Wenn ich jetzt noch Joe Montana erspielt habe, kann ich eh aufhören. Wer soll dann noch kommen?

EA Sports: it’s in the fail

Aber eine Sache nervt mal wieder unglaublich im MUT. Allein die „Campaign“-Challenge besteht aus 83 Einzelspielen in denen es dann heißt: „Erreiche 10 Rushing Yards in maximal 3 Versuchen“, „Erziele ein Fieldgoal aus 40 Yard Entfernung“, Verhindere einen Touchdown (1 Drive)“, usw. Und jedes dieser Einzelspiele kostet mich beim Laden (In&Out) der Partie etwa eine Minute, wo ich mir dann dumme Standbilder mit Spieletipps ansehen muss. Rechnen wir mal hoch, wie viel das bei 83 Einzelspielen sind … öhm … ja: 83 scheiß Minuten, in denen ich nur dumm rumsitze und Lebenszeit verschwende. Bei EINER Challenge. Warum bekommen es EA und Frostbite zur Hölle nicht gebacken, dass ich direkt zur nächsten Partie gehen kann? Am Ende bekomme ich alle erspielten Münzen und Items auf einmal. Geil. Aber nein, stattdessen machen sie die Fußbewegungen noch realistischer. Weil nur auf das schaue ich, wenn ich aus der Overhead-Perspektive versuche, einen Tackle zu brechen. Herrgott, warum hasst ihr Eure Kunden eigentlich so sehr? Kriegt es lieber mal auf die Reihe, dass man auch wirklich alle kritischen Szenen per Red Flag prüfen lassen kann und dann auch die richtigen Ergebnisse kommen. Schaut ihr euch die Fail-Compilations Eurer Youtube-Influencer-Freunde überhaupt an? (Es klingt zwar nicht so, aber eigentlich machts mir ja dennoch Spaß.)

 

Ja, und natürlich kann man sich auch im Pay2Win-Style ganz easy aus der Affaire ziehen, ein paar hundert Euro in virtuelle Tokens tauschen, um dann sein 95plus-Team noch am Kauftag zu bekommen. Wirtschaftlich verstehe ich das ja. Aber hey, ganz ehrlich, EA: ihr verkauft seit Jahrzehnten nur gefühlte DLCs zu euren Titeln. Alle drei bis fünf Jahre ist da mal ein Quantensprung drin. Müsst ihr dann echt noch so lächerlich hohe Preise verlangen, damit die Kids an die geilen Spieler rankommen? Seid doch da mal etwas fairer.

„Longshot: Homecoming“ – doppelter Storyspaß

Die Fans des Story-Modes „Longshot“, mit den beiden Protagosisten Davin Wade und Colt Cruise, geht in die zweite Runde. Zur Eröffnung hat man sich ein nettes Frühstücksfernseh-Konzept namens „Good Morning Football“ ausgedacht, das den Spielmodus mit realen Moderatoren eröffnet. Im zweiten Kapitel „Homecoming“ dieses entscheidungsbasiertem Games gibt es gleich zwei Storylines. Denn die Dinge liefen für unsere Helden nicht gerade gut – beide sind aus der NFL geflogen. Während Wade nun versucht, über Tryouts wieder zurück zu kehren, widmet sich Davin einer emotionaleren Aufgabe. Nachdem ein Tornado über ihre Heimatstadt gefegt ist, steht das Ex-Team unserer beiden Helden, die Mathis Bulldogs, vor dem Umzug in eine andere Stadt. Davin erkennt für sich, dass seine Aufgabe nun darin besteht, in Texas zu bleiben um diesen Verein zu retten. Etwa eineinhalb bis zwei Stunden dauern die Stories.

Fazit: Alles kann, nichts muss

Als jemand, der in den beiden „Life is strange“-Teilen die Platin-Trophäe erspielt hat (mit anderen Worten: ich mag den Story-Mode wirklich), hat sich das Sequel allein schon gelohnt, sich das Spiel ins Haus zu holen. Und natürlich macht auch der Rest ordentlich Spaß. Das Game ist kein Muss – wie bei allen EA-Sports-Titeln kann man getrost ein, zwei Titel skippen und verpasst nichts Großartiges. Zumal ja die gängigen Fehler immer noch da sind und keine gigantische Innovation zu erwarten ist.

 

Aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, ich hätte nicht sehr viel Spaß mit dem Game bisher gehabt. Auch wenn es mich aufregt, dass man sich über Nichtigkeiten selbst feiert, als würde man bei CoD ausweichende Fische programmiert haben – aber die Dinge, die für den Nutzer wichtig wären, ignoriert man weiter. Aber das kennen wir ja bereits. Man zahlt seine Entwickler lieber für besseren Faltenwurf im Trikot, statt … ach, ich hör ja schon auf.

 

Wenn du dir also dieses Jahr nur ein einziges Spiel holen willst, dann warte auf Tomb Raider (oder gar „The Last Of Us 2“? Warten wir mal die Gamescom ab. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt.) Wenn du jedoch deine Bitcoins im richtigen Moment verkauft hast und nun 60 Flocken über hast (siehe Angebot unten, ansonsten 70,-) dann kannst du dir das Ding getrost schießen. Vor allem, weil sich ja jetzt beim Lauf der linke Hoden noch realistischer an der Hose abzeichnet. Ich werde sicherlich (das meine ich jetzt ganz unironisch) sehr viele Stunden unterhaltsamer Abende und Nächte mit dem Spiel haben. Hit Stick on one, on one. Ready? Break.
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